Schwarze Löcher

Sie liegen auf meinem Lebensweg, seit ich denken kann.  Ich sehe sie nicht. Ich nehme sie nicht einmal dann wahr, wenn ich direkt am Rande stehe. Ich falle unweigerlich hinein.

Auf manchen Kilometern des Weges lagen die Löcher dicht an dicht, nur ein paar Meter dazwischen. Dann wieder konnte ich viele Kilometer laufen und es waren keine Löcher da.

Die Löcher sind unterschiedlich. Manche sind sehr tief und sehr eng. Ich falle, falle und unten angekommen kann ich nur eins – mich im Kreise drehen. Bis da unten kommt kein Licht. Diese Löcher sind gefährlich, sie können schnell tödlich sein.  Zum Glück sind sie bei mir mit zunehmendem Alter seltener geworden. Und ich habe auf meinem Weg auch etwas  gelernt, ich weiss jetzt, dass ich aus dieser Art Loch alleine nicht herauskomme. Ich schreie um Hilfe. Aber dieses Loch ist so überwältigend, dass ich manchmal ein paar Tage brauche, bis ich genug Luft zum Schreien habe.  Dann kommt der Doc und wirft mir ein Seil aus bunten Pillen zu und zieht mich damit wieder hoch. Doch dieses Loch ist tief und es dauert, bis ich wieder  oben angekommen bin.

Es gibt Löcher, die sind tief und weit. In diese Löcher falle ich nicht, ich rutsche. Ich merke, dass ich auf der Rutschbahn nach unten bin, aber ich kann nicht absteigen.  Auch diese Löcher sind gefährlich. Aufgrund der Weite bleibt zwar immer ein wenig Licht und ein Horizont. Aber auch hier brauche ich Hilfe um wieder herauszukommen. Jemanden, der mir ein Seil zuwirft und festhält. Das kann wieder der Doc sein, oder aber ein Mensch, der mich mit dem Seil seiner Zuneigung hält. Ohne Hilfe krabbele ich ein Stück den Abhang hoch und wenn ich Luft holen muss, rutsche ich wieder runter.  Am Seil kann ich mich festhalten, bis ich Luft zum weiterkrabbeln habe und so komme ich wieder oben an. Aber auch das dauert seine Zeit.  Wenn man nicht gelernt hat, Hilfe zu holen und nicht genug Kraft hat, kann auch diese Art Loch töten.

Dann gibt es Löcher, die sind eng, aber nicht tief. Ich falle unvermittelt hinein und sitze fest. Aber – der Kopf ist noch oben.  Aus diesen Löchern komme ich alleine wieder heraus. Mit harter Arbeit. Da das Loch so eng ist, habe ich ordentlich zu buddeln, bis meine Arme soweit frei sind, dass ich mich aus dem Loch wuchten kann.  Und es gibt Löcher, die sind weit, aber nicht tief. Auch da ist der Kopf noch oben und ich komme alleine heraus. Die Schräge, die ich hochkrabbeln muss, ist nicht so lang, ich schaffe es ohne Seil.

Ich möchte nicht unbedingt allen Menschen in meiner Umgebung mitteilen, dass ich gerade in einem Loch stecke. Aber, zum buddeln und krabbeln brauche ich Kraft, Energie, Konzentration. Daher wirke ich in diesen Zeiten auf meine Mitmenschen ein bisschen komisch.  Ich bin entweder völlig abwesend oder aber unnatürlich fröhlich und aufgekratzt.

Ich rede nicht gerne darüber. Wie vielen Menschen kann man schon sagen, dass die Seele krankt.

Ich stelle es jetzt mal hier ein. Ob es stehen bleibt? Ich weiss es noch nicht.

 

Über lebensstraenge

Jahrgang 1953, verheiratet, Mutter zweier erwachsener Söhne, berufstägig, auf dem Weg in den nächsten Lebensabschnitt (passive Altersteilzeit), der mit dem 1. Mai 2014 (beginnen wird) begonnen hat.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Schwarze Löcher

  1. Jacqueline schreibt:

    Lass es bitte stehen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s